Das letzte Kapitel unserer Geschichten-Sammlung:
Bye-bye HIPPY!

 

Dieser Beitrag bildet den Abschluss unseres wunderbaren Buches 'Von Max, Saadia und Frau Knippenberg' - einem Gemeinschaftsprojekt, an dem sich 15 IMPULS-Standorte mit 18 Geschichten beteiligt haben.

Er beschreibt sehr gut, dass unsere Programme - so überzeugend und wirksam sie auch sind - kein Selbstläufer sind. Es bedarf eines engagierten Trägers, einer zuverlässigen Finanzierung, tatkräftiger Hausbesucherinnen und vor allem mindestens einer Koordinatorin, die die Fäden in die Hand nimmt und es versteht, daraus ein tragfähiges Netz zu knüpfen. Doch auch dann kann es passieren, dass man sich von einem bewährten und erfolgreichen Programm verabschiedet. Wie in diesem Fall einer langjährigen und erfahrenen Koordinatorin:

"Das HIPPY-Programm war dem Träger schon lange Zeit bekannt. Doch es sollte ein paar Jahre dauern, bis es der damaligen Geschäftsführerin gelang, eine Finanzierung dafür zu finden. Über ein Qualifizierungsprojekt für Frauen mit Migrationshintergrund ermöglichte man 15 Müttern mit EU-Mitteln die Teilnahme an HIPPY.

Anfangs betreuten die Koordinatorin und zwei Hausbesucherinnen die 15 Familien. Nach zwei Jahren war jedoch Schluss mit dieser Finanzierung. Das durfte nicht sein! Mit viel Engagement konnte eine große Spendenaktion das Programm vorübergehend retten. Vor allem das Integrationsministerium des Landes und der Europäische Sozialfonds steuerten Mittel bei.

Drei Jahre lang konnte der Träger mit Unterstützung von EU-Mitteln und mithilfe einer Kofinanzierung durch die Stadt HIPPY ausbauen und so 6 Hausbesucherinnen beschäftigen und bis zu 60 Familien jährlich aufnehmen. Das Konzept war überzeugend und die Stadt gewährte bereitwillig eine dreijährige Förderung. Was für eine Freude! Und dann nach Ablauf eine weitere Förderung bis Ende 2017. HIPPY brummte.

Kurz vor Ablauf dieser erneuten drei Jahre erhielt die Koordinatorin das attraktive Angebot, als Migrationsberaterin für erwachsene Zuwanderer zu arbeiten. Nach 10 Jahren Projektarbeit freute sie sich über die neue Aufgabe und nahm die Herausforderung an. Fortan teilte sie sich die Koordination des HIPPY-Programms mit einer neuen Kollegin, die hauptberuflich in einem anderen Bereich tätig war. Mit der Zeit stellte es sich heraus, dass beide Koordinatorinnen sehr mit ihren hauptberuflichen Aufgaben beschäftigt waren. Die Koordinatorin entschied, sich vollständig auf die Migrationsberatung zu konzentrieren und teilte dies ihrer Geschäftsführung mit. Die Hoffnung, dass ihre Kollegin die alleinige Koordination übernehmen könnte, erfüllte sich leider nicht. Auch sie ging in ihrem Bereich gänzlich auf.

Sollte der Träger eine neue Mitarbeiterin suchen? Es stellte sich bald heraus, dass die Stadt andere gute Projekte im Auge hat und Familienzentren und die Sprachförderung in den Kindertagesstätten stärken wird. Dazu kamen schwankende und dann auch sinkende Teilnehmerzahlen bei HIPPY. Die Aussicht auf weitere Förderung des Programms trübte sich. Der Träger – nun ohne die erfahrene Koordinatorin – beschloss, keinen neuen Antrag für das kommende Jahr zu stellen.

Um die Kinder nicht im Stich zu lassen, fand man eine gute Lösung: Bis zu ihrer Einschulung im Sommer 2018 wird HIPPY fortgeführt. Doch dann wird es für die langjährige Koordinatorin, die erfahrenen Hausbesucherinnen und die dankbaren Familien heißen, Abschied zu nehmen. Es gab viele Höhen: glückliche Kinder und zufriedene Mütter, tolle Sommerfeste, tolle Teamarbeit. Aber auch Tiefen: schlecht besuchte Gruppentreffen, das regelmäßige Bangen um die weitere Finanzierung.

Was bleibt? Fast 300 Familien, die wir bis zur Einschulung der Kinder begleiten durften; Freundschaften zwischen den Mitarbeiterinnen, die das Ende von HIPPY überdauern werden; die Erinnerung an viele schöne Erlebnisse und das gute Gefühl, vielen Müttern, Vätern und Kindern beigestanden und geholfen zu haben!"

Wir von IMPULS danken dieser sehr engagierten Koordinatorin, mit der wir immer gern zusammen gearbeitet haben, von der wir uns nur ungern verabschieden und daher alles Gute in ihrer neuen Aufgabe wünschen!