Besser früh investieren als reparieren - Ein Gastkommentar von Peter Weber im Weser Kurier am 24. Januar 2018

 

Nach Schätzungen des UNHCR gibt es weltweit mehr als 65 Millionen vertriebene Menschen – auf der Flucht vor extremer Gewalt, Krieg, Verfolgung und anderen Katastrophen. 22,5 Millionen haben ihr Heimatland verlassen. Die Hälfte von ihnen ist minderjährig. Also elf Millionen Schutz und Asyl suchende Kinder und Jugendliche weltweit. So viele wie noch nie.

Die meisten kommen aus einer Handvoll von Ländern wie Syrien, Afghanistan, Somalia und Sudan. Aber unabhängig davon, woher sie kommen, ist die Krise eine globale, die globale Anstrengungen erfordert. Länder, die Zuflucht gewähren, bieten Geflüchteten zwar physischen und rechtlichen Schutz. Doch das allein reicht nicht. Die große Verantwortung liegt darin, den angekommenen Menschen eine Perspektive zu geben und ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Doch selbst Deutschland – einer der reichsten Nationen der Welt – will das nicht recht gelingen: Schon an vielen Grundschulen herrschen Sorge, Überforderung und enormer Lehrkräftemangel. Das hat Auswirkungen auf die Lern- und damit Zukunftschancen all unserer Kinder. Volkswirtschaftlich bedeutet das, dass die heutigen Kinder später als Erwachsene mehr Sozialleistungen beziehen werden, statt Steuern und Sozialabgaben zu zahlen. Gleichzeitig nehmen wir den zu uns geflohenen Kindern die Chance, später als Erwachsene am Wiederaufbau ihres Herkunftslandes mitzuhelfen. Deutschland ist allen Unkenrufen zum Trotz ein gastfreundliches, friedliches und wohlhabendes Land mit stabilen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen.

Uns eilt jedoch – was Bildungschancen angeht – ein schlechter Ruf voraus. Das gilt es, schnellstmöglich zu korrigieren. Wir sind es vor allem unseren Kindern schuldig – egal welcher Nationalität. Aber die Regierungsbildung zieht sich, und bis tragfähige Lösungen entwickelt und Gesetze verabschiedet, ausreichend Lehrkräfte ausgebildet und an den Grundschulen eingestellt werden, können Jahre vergehen. Diese Zeit muss verantwortungsvoll, gezielt und wirksam genutzt werden. So sind kurzfristige Maßnahmen gefragt, um faire Bildungs- und damit spätere Beschäftigungschancen zu schaffen: Ausbau der Familienförderung und Unterstützung der Eltern in ihren Erziehungskompetenzen, denn Bildung funktioniert am besten dort, wo Eltern mitwirken; frühestmögliche Stärkung der Kinder, die besondere Aufmerksamkeit benötigen – schon vor der Einschulung.

Denken wir präventiv und investieren lieber früh, als spät zu reparieren.